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Gemeindenachricht

Gemeinde hat ihre Chancen genutzt
Viel Lob für Rielasingen-Worblingen zum Fusionsjubiläum

Singener Wochenblatt online vom 12.01.2015 von Oliver Fiedler

Kreisarchivar Wolfgang Kramer brachte viel über die Befindlichkeiten zur Gemeindefusion von Rielasingen, Worblingen und Arlen in seinem Festvortrag zum Neujahrsempfang zutage. swb-Bild: of

Bürgermeister Baumert konnte dazu eine ganze Reihe von prominenten Festgästen begrüßen, unter ihnen Europaminister Peter Friedrich, Landtagspräsident und designierter CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf, die Landtagsabgeordenten Hans-Peter Storz und Wolfgang Reuther wie die Zeitzeugen damals, Altbürgermeister Berthold Heim, und Kreisarchivar a. D. Dr. Fanz Götz.

Baumert eröffnete den Festakt allerdings erst einmal mit einem Lob auf die Willkommenskultur für die Flüchtlinge in der Gemeinde. Es habe sich spontan ein Helferkreis gebildet, der sich um die Flüchtlinge kümmere. "Wir erteilen Initiativen wie "Pediga" eine klare Absage, denn wir setzen auf Integration", so Baumert, der dann einen imposanten Jahresrückblick hielt. Die neuen Konzessionsverträge zum Rückkauf der Stromnetze, der Bürgerentscheid zur Gemeinschaftsschule, die Kommunalwahl waren die wichtigsten Stationen dieses Jahres. "Wir haben gut gewirtschaftet trotz vielfältiger Investitionen", betonte Baumert. Auch 2015 wird ziemlich ereignisreich, neben vielen Vereinsjubiläen und Investitionen wird der Begründung eines Jugendrats am 3. Februar ein maßgebliches Ereignis im Zuge der seit Jahren forcierten Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Kommunalpolitik.

Kreisarchivar Wolfang Kramer konnte in seinem Vortag berichten, dass es schon im Jahr 1918 einen ersten Anlauf der Singener Nachbarn gab, die Rielasinger zu übernehmen. Diese Attacke in den letzten Monaten des Weltkriegs habe man abweisen können, doch der nächste Anlauf im Jahr 1936 habe drastische Folgen gehabt. Auch damals konnte man sich wehren, doch musste die Gemeinde maßgebliche Teile ihres nördlichen Gemeindegebiets abtreten, die heute Teile der Singener Südstadt sind. Die Fabrikanten Ten-Brink drängten indes auf eine Fusion mit Arlen, was die dadurch gedemütigten Arlener am liebsten nach dem Ende des zweiten Weltkriegs rückgängig gemacht hätten.

1968 musste Rielasingen weitere Flächen für die Singener Südstadt abtreten, das Wort "Landhunger" prägte die weiteren Diskussionen. Das Land wollte in seiner Zielplanung die Rielasinger dem Singener Landhunger opfern. Als der damalige Bürgermeister Alfred Haas, diese Pläne bekanntgab, begann sich massiver Widerstand zu formieren. Hoffnungsträger wurde interessanterweise der Singener Oberbürgermeister Friedhelm Möhrle, der damals gesagt haben soll, dass man das "blühende Rielasingen" nicht auslöschen solle. Flugblätter machten damals die Runde, in der Singen "planerische Inkompetenz" vorgeworfen wurde. Eine Bürgerversammlung brachte dann ein eindeutiges Votum, auch in Worblingen und damals sogar noch in Bohlingen: die drei wollten nun zusammen zum "Aachtal" werden. Geplant war, dieses Gebilde zum 1. Oktober 1974 in Kraft treten zu lassen. Doch im November 1973 kam es in Bohlingen zum Umschwung: Nach dem Gemeinderat gab es nun auch eine Bürgermehrheit für den Anschluss an Singen. Damit war das Aachtal gestorben. "Bohlingen wäre eigentlich durch seine Tradition und kirchliche Prägung besser auf der Höri aufgehoben gewesen", fügte der Kreisarchivar dem noch bei.

Die Rielasinger mussten einige Geschenke machen, so die Erweiterung der Einsegnungshalle wie des Sportzentrums. Der Worblinger Bürgermeister Berthold Heim wurde erst mal Amtsverweser und dann zum neuen Bürgermeister der neuen Doppelgemeinde gewählt. „Wenn jemand damals vorausgesagt hätte, wie stark die Gemeinde sich heute darstellen kann, wäre damals sicher als Spinner tituliert worden“, machte Wolfang Kramer aus seiner launigen Betrachtung doch noch eine Laudatio.

Am Sonntag, 1. März, 18 Uhr, wird im Dorfmuseum Worblingen eine Ausstellung zum Jubiläum der Gemeindefusion eröffnet, die der Museumsverein zusammen gestellt hat.

Guido Wolf hatte die Befindlichkeiten des Festakts schnell erkannt und begrüßte in seinem Grußwort deshalb auch die Arlener als erste. Die Gemeinde habe einen Bindestrich wie auch das Land selbst, und beide wurden nach anfänglichen Bedenken sehr erfolgreich. Der Dank gelte an einem solchen Festtag nicht nur den Repräsentanten der Kommunalpolitik, sondern auch allen die sich für diese Gemeinde auf ihre Weise eingebracht hätten.

Europaminister Peter Friedrich bezeichnete Rielasingen-Worblingen als ein Musterbeispiel baden-württembergischer Möglichkeiten. Die neue Halle, die Kinderbetreuung seien nur zwei Beispiele dafür, wie die Gemeinde ihre Chancen nutzte und nun als Hidden-Champion im Landkreis dastehe. Rielasingen-Worblingen sei immer eine Zuzuggemeinde gewesen, so seien die in der Gemeinde angekommenen Flüchtlinge auch eine Chance, hob Friedrich auf die aktuelle verschärfte Diskussion ab. Die Gemeinde sei auch durch ihre soziale Infrastruktur so stark geworden.


Redakteur / Urheber
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen