Blick vom Rebberg auf die Ortsmitte von Rielasingen.
Zur Person und zum Spiel
  • Klaus Oklmann (54), verheiratet, zwei Kinder, ist in Triberg im Schwarzwald aufgewachsen und wohnt seit 2000 in Arlen. Der Ingenieur arbeitet als Betriebsleiter für Tegometall in Krauchenwies. Sein großes Hobby ist der 1. FC Rielasingen-Arlen. Er ist seit 2003 im Verein, war unter anderem Vorsitzender des Fördervereins und Beisitzer. Seit zwölf Jahren ist er Stadionsprecher bei den Heimspielen der "Ersten" auf den Talwiesen.
  • DFB-Pokal: Der DFB-Pokal (bis 1943 Tschammerpokal) wird seit 1935 ausgetragen. Teilnehmer in der 1. Hauptrunde sind die jeweils 18 Teams der 1. und 2. Bundesliga sowie besten Vier der 3. Liga, dazu die 24 Pokalsieger der Landesverbände. Als Sieger des südbadischen Pokals spielt der 1. FC Rielasingen-Arlen am Samstag, 12. August, 15.30 Uhr, im Schwarzwaldstadion Freiburg gegen Borussia Dortmund.

Gemeindenachricht

Seine Stimme kommt ganz groß raus

Südkurier vom 06.08.2017 von Michael Neubert

Stadionsprecher Klaus Oklmann fiebert schon dem großen Spiel seines 1. FC Rielasingen-Arlen gegen Borussia Dortmund entgegen. Er darf diesmal vor 25000 Zuschauern im Schwarzwaldstadion iun Freiburg ansagen. Bild: Michael Neubert

Der 1. FC Rielasingen-Arlen hat das große Los gezogen. Wo waren Sie bei der Auslosung, wie haben Sie reagiert?


Ich war hier im Vereinsheim und habe mit den anderen gejubelt. Über die Reaktionen im Clubheim wurde hinlänglich berichtet. Im ersten Moment dachte ich: So viel Glück kann man eigentlich nicht haben.

Wen hätten Sie sich als Gegner gewünscht?

Es ist ja ein Traumlos. Ich habe mir schon einen der großen Traditionsclubs wie Dortmund, Bayern, Gladbach oder Schalke gewünscht.

Wie groß ist das Lampenfieber vor dem großen Spiel am Samstag?

Eigentlich nicht groß. Zur Vorbereitung durfte ich vorletzte Woche das Heimspiel des SC Freiburg in der Europaleague-Qualifikation besuchen. Ich saß mit in der Sprecherkabine und habe gesehen, wie dort gearbeitet wird. Natürlich, eine gewisse Anspannung wird schon da sein. Auch vor so vielen Zuschauern werde ich wie immer versuchen, so wenig Fehler wie möglich zu machen.

Was ist anders als bei Ihren Ansagen bei den Heimspielen in Rielasingen?

Borussia Dortmund ist einer der ganz großen Traditionsclubs. Die Aufstellung eines solchen Kalibers anzusagen, habe ich ja nicht so oft. Die Atmosphäre in Freiburg ist natürlich auch anders. Bei der Ansage selbst gibt es nicht viele Unterschiede: Ich begrüße die Gäste, gebe die Aufstellungen durch und verfolge das Spiel. Manche Dinge sind sogar einfacher. Den richtigen Torschützen zu nennen, beispielsweise. Es gibt mehrere Monitore und es sind mehr Leute in der Sprecherkabine, die das Spiel verfolgen.

Wir haben auch die Bilder aus dem TV-Übertragungswagen. Bei so viel Hilfe wird dann schon der richtige Torschütze identifiziert werden. Zudem sitzt Claus Köhn, der Stadionsprecher des SC Freiburg, neben mir. Er könnte eingreifen.

Welche speziellen Auflagen an die Stadionansage gibt es?

Alles ist präzise geplant. Ein Stadionregisseur erstellt einen minutiösen Regieplan, der eingehalten werden sollte. Dieser Plan liest sich wie ein Drehbuch. Ansage, Einblendungen, Eigenwerbung, Berichte sind darin festgelegt.

Auf was freuen Sie sich am meisten?

Auf das Spiel selber natürlich, auf spannende 90 vielleicht 120 Minuten. Wer weiß.

Sie müssen sich sicher mächtig konzentrieren. Realisieren Sie das Spiel überhaupt so richtig?

Ja. Unbedingt. Ich fiebere in jeder Minute mit und muss ständig mit dem Blick auf dem Geschehen bleiben. Dabei versuche ich natürlich, meine Emotionen im Griff zu behalten. Aber ein lauter Torjubel darf sicher sein. Ich hoffe, ich habe dazu die Gelegenheit.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre große Aufgabe vor?

Ich schreibe mir natürlich vorher einige Dinge auf, damit ich etwas in der Hand habe, an dem ich mich orientieren kann. Außerdem lese ich mir nochmal durch, was der DFB vorgibt. Zum Beispiel, was zu tun ist bei Unterbrechungen, Störungen, oder wenn die Zuschauer Pyrotechnik einsetzen. Außerdem habe ich mir den aktuellen Kader von Dortmund schon mal angeschaut und ich bekomme einen sehr gut vorbereiteten Spielberichtsbogen mit den Namen und Rückennummern der Spieler. Für alle Fälle habe ich ja noch das Handbuch des DFB für Stadionsprecher (schmunzelt).

Was für ein Gefühl wird es sein, vor 25 000 Zuschauern zu sprechen?

Ein großartiges Gefühl. Ich glaube, jeder, der diesen Job macht, will es auch einmal vor einem großen Publikum tun. Man ist hautnah dabei. Bei den Spielen in Rielasingen spreche ich im Durchschnitt vor 300 bis 400 Zuschauern.

Wie wurden Sie Stadionsprecher?

Ganz einfach. Mein Verein hat jemanden gebraucht vor zwölf Jahren. Als ich begann, saß ich noch auf der Clubheim-Terrasse mit zwei kleinen Lautsprechern und einem Mischpult. Heute sitze ich auf einem bestens ausgestatteten Wagen am Spielfeldrand. Während meines Studiums habe ich in Kneipen Platten aufgelegt, dadurch war ich den Umgang mit dem Mikrofon gewohnt.

Was muss man als Stadionsprecher können?

Schwer zu sagen. Ich denke, man muss die richtigen Worte finden, die Nerven bewahren, wenn es auf dem Platz wieder mal heiß hergeht. Bis zu einem gewissen Grad sollte man auch Neutralität bewahren. Ich denke, man könnte mit dem Mikro sicher auch negativ auf die Stimmung einwirken. Das sollte man nicht machen.

Ist Ihnen in den zwölf Jahren schon einmal etwas Lustiges passiert? Anders gefragt: Hatten Sie schon viele Patzer?

Ja. Es gab Lustiges. Aber es war Situationskomik. Das war nur lustig in dem einen Moment. Ich müsste es jetzt mit zu vielen Worten erklären. Versprecher gibt es natürlich. Ich habe darüber auch mit Claus Köhn vom SC Freiburg gesprochen. Er hat gesagt, das passiere selbst einem Bundesliga-Sprecher. Man darf sich nur nicht für den Rest des Spiels damit beschäftigen, sonst häufen sich die Fehler noch.

Was tun Sie, wenn Sie Ihre Aufgabe beendet haben?

Nach dem Abpfiff geht es weiter. Die Höhepunkte des Spiels werden zusammengestellt und auf der Videowand präsentiert. Wir müssen die Pressekonferenz ankündigen und so weiter. Ich gehe davon aus, dass wir frühestens eine Stunde nach dem Abpfiff fertig sind. Dann fahre ich nach Hause. Wie ich vermute, gibt es noch eine Feier auf unserer Vereinsanlage.

Meinen Sie, Sie könnten sich als Ansager für einen Bundesligisten empfehlen?

Scherzfrage, oder? Ich bin sicher, die Bundesligavereine sind alle mit sehr guten Sprechern versorgt. Und außerdem bin ich ganz glücklich, da, wo ich bin – beim 1. FC Rielasingen-Arlen.

Wagen Sie einen Tipp fürs Spiel?

Ich sehe es realistisch. Die Chancen auf ein Weiterkommen sind sehr gering. Einen Tipp will ich nicht abgeben. Ich halte es da mit unserem Vorsitzenden Peter Dreide. Der sagt: "Ich habe einen realistischen Tipp und einen Wunschtipp. Letzteren behalte ich für mich."

Fragen: Michael Neubert
Redakteur / Urheber
^
Redakteur / Urheber

Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK