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Gemeindenachricht

Streit um Kiesabbau im Dellenhau geht weiter

Südkurier vom 02.03.2018 von Torsten Lucht

Links die Bürgermeister mit ihrem Anwalt Reinhard Sparwasser (Zweiter von links), die sich gegen den Kiesabbau im Dellenhau aussprechen, rechts die Antragsteller mit dem Geschäftsführer Andreas Drewing vom Kiesabbau-Unternehmen Birkenbühl (rechts) an der
Zum Bild: Klare Fraktionsbildung: Links die Bürgermeister mit ihrem Anwalt Reinhard Sparwasser (Zweiter von links), die sich gegen den Kiesabbau im Dellenhau aussprechen, rechts die Antragsteller mit dem Geschäftsführer Andreas Drewing vom Kiesabbau-Unternehmen Birkenbühl (rechts) an der Spitze. Bild: Torsten Lucht

Es war still geworden um das Thema Dellenhau, doch die Zeit der Ruhe hat nichts geändert an der Schärfe des Konflikts. Das wurde am Mittwoch bei einem Erörterungstermin in der Hilzinger Hegauhalle deutlich. Gut sieben Stunden tauschten die Antragsteller des Kiesabbau-Vorhabens, deren Gegner sowie Vertreter von Behörden unter Leitung des Abteilungsleiters Johannes Dreier vom Regierungspräsidium Freiburg die hinlänglich bekannten Argumente nochmals aus, wobei auch die Bevölkerung rege von der Möglichkeit zu Stellungnahmen Gebrauch machte. Was wohl niemand erwartet hatte: Das Resümee von Johannes Dreier lässt alles offen.

Das hörte sich bisher anders an. Sowohl in Sitzungen des Regionalverbands als auch in Gemeinderatssitzungen musste man den Eindruck gewinnen, dass die Hüter des Raumordnungsverfahrens nicht um ein Jota von einer rein rechtlichen Bewertung abweichen. Demnach geht das Verfahren seinen Gang, an dem inhaltliche Einwände gegen das Vorhaben oder die massiven Einwände von Bürgern abzuprallen schienen. Gestern bestätigte Johannes Dreier in einem Telefonat mit dem SÜDKURIER den in der Hegauhalle gewonnenen Eindruck: "Wir nehmen die Sorgen sehr ernst, es ist nichts entschieden", so der Abteilungspräsident für Wirtschaft und Raumordnung.

Die Bürgermeister von Singen, Gottmadingen, Rielasingen-Worblingen und Hilzingen samt der sie unterstützenden Gemeinderäte können den Tag somit als einen Punktsieg verbuchen. Ein anschauliches Beispiel für die Wirkung von Hartnäckigkeit lieferte Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler. Beim Thema Lärmbeeinträchtigung des in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dellenhau gelegenen Friedhofs der Stadt hatten die Antragsteller für den Kiesabbau eindeutig die rational besseren Argumente. Das Lärmgutachten lässt keinen Zweifel daran, dass durch den Verkehr auf den Straßen entlang des Friedhofs eine deutlich höhere Lärmbelästigung besteht und diesbezüglich also die rechtlichen Voraussetzungen für die Genehmigung des Kiesabbaus gegeben sind. OB Häusler bezeichnete es gleichwohl vor dem Hintergrund von Trauer- und Friedhofskultur als "Treppenwitz, wenn neben dem Friedhof Kies abgebaut wird". Seiner persönlichen Meinung nach passe es nicht, wenn bei einer Grabrede oder beim Herablassen eines Sarges zugleich eine Fuhre Kies hörbar auf den Boden gekippt wird.

Bei anderen Gutachten etwa zum Grundwasserschutz, zum Staubaufkommen oder zur Mehrbelastung durch den zusätzlichen Schwerlastverkehr wurde deren Belastbarkeit in Zweifel gezogen. So wies Dieter Rühland, Stadtrat von Singen und ehemaliger Chefarzt am Singener Krankenhaus, darauf hin, dass nicht die durchschnittliche, sondern die maximale Staubbelastung ausschlaggebend für die Gesundheit der Patienten und den ärztlichen Betrieb sei. Mit Verweis auf die Staubbelastung im bestehenden Kiesabbaugebiet in Überlingen am Ried wurde auf die Belastung für Radfahrer und Jogger sowie die Auswirkungen für den Tourismus hingewiesen. Herbert Schätzle, der sich seit langem für eine Verkehrsentlastung in Rielasingen-Worblingen einsetzt, brachte das allgemeine Misstrauen gegenüber Behörden und Gutachten auf den Punkt: "Wir glauben nur noch das, was wir sehen."

Zu den wichtigen Sprechern des Bürgerprotests gegen den Kiesabbau im Dellenhau gehört Peter Waldschütz (im roten Pulli am Mikrofon). Bild: Torsten Lucht

​Zum Hintergrunddes Konflikts


DasDellenhau: Das Gebiet liegt auf Hilzinger Gemarkung und grenzt an die Stadt Singen sowie der Gemeinden Gottmadingen und Rielasingen-Worblingen an. Das Waldstück wurde an Weihnachten 1999 durch den Orkan Lothar verwüstet, inzwischen wird es von den Gemeinden als bedeutsamer Naherholungsbereich eingestuft. Das Unternehmen Birkenbühl möchte das Gelände als Ersatz für ein Kiesabbau-Gebiet im Singener Ortsteil Überlingen am Ried nutzen.

Der Konflikt: Der Bedarf an Kies ist nach Darstellung der Gemeinden aufgrund der bestehenden Abbaugebiete in der Region gedeckt. Das wird unter anderem damit begründet, das mindestens 40 Prozent des Dellenhau-Kieses in die Schweiz exportiert werden soll. Das Unternehmen Birkenbühl seinerseits begründet den Antrag für den Kiesabbau mit dem Argument, dass die Vorräte in Überlingen am Ried nicht erschöpft sind, die Stadt Singen aber eine weitere Genehmigung für den Kiesabbau verweigerte.

Die Regionalplanung: Regierungspräsidium und Regionalverband obliegen die raumordnungsrechtlichen Genehmigungsverfahren. Kurz gesagt: Sie legen den Rahmen für den Umfang des Kiesabbaus fest, um so unter anderem die langfristige Rohstoffsicherung zu garantieren. Zu berücksichtigen sind aber auch Belange wie etwa die Tourismusentwicklung.


Redakteur / Urheber
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen
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