Blick vom Rebberg auf die Ortsmitte von Rielasingen.

Gemeindenachricht

Landfahrer auf dem Hupac-Gelände: Konflikt entbrennt am Thema Müll

Südkurier vom 11.04.2018 von Daniel Schottmüller

Kein schöner Anblick: Der Müllhaufen am Rande des Hupac-Geländes. Bild: Daniel Schottmüller

Wolfgang Merkle will es nicht mehr länger mit ansehen. Seit über einer Woche läuft er an einem übelriechenden Müllhaufen vorbei, wenn er seinen Hund auf der gewohnten Spazierstrecke ausführt. Merkle ist mittelgroß und drahtig – sein Alter sieht man dem 77-Jährigen nicht an. Das 1918 erbaute Haus im Überlinger Weg, in dem er zusammen mit seiner Frau lebt, liegt gegenüber des ehemaligen Hupac-Geländes in Rielasingen. Damit hat das Ehepaar direkte Sicht auf einen silbernen Müllcontainer nahe der Bahnschienen, um den herum sich ein buntes Wirrwarr aus Folien, Tüten, Schläuchen und Kartons aufgetürmt hat. „Das lockt doch Tiere an", ärgert sich der Anwohner. „Und der Wind verstreut die Abfälle in alle Himmelsrichtungen."

Wolfgang Merkle glaubt zu wissen, wer für den unansehnlichen Anblick vor seiner Haustür verantwortlich ist: Eine Gruppe von 30 Landfahrern, die mit ihren Wohnwägen auf dem brachliegenden Gelände nahe den Schienen der Museumsbahnstrecke kampiert hat. „Sie sind am Dienstag vor Ostern angekommen und erst am Mittwoch danach abgereist“, erinnert sich Merkle. Ihren Müll habe die Gruppe zurückgelassen.

Ihm stinkt der Müll in seiner Nachbarschaft: Wolfgang Merkle wohnt auf der anderen Seite der Bahnschienen. Ihn stört die Geruchsbelästigung, der er beim Spazierengehen ausgesetzt ist. Bild: Daniel Schottmüller

Merkle hat die Gemeinde darum gebeten, die Abfälle abzutransportieren. Bisher erfolglos: „Man hat mir gesagt, dass das nicht so einfach ginge, weil das Gelände auf Schweizer Grund und Boden liegt“, berichtet Merkle. „Seit Jahren ist hier einfach niemand mehr zuständig“, ärgert sich der Rentner. Was das Problem aus seiner Sicht verschlimmert: Am Montagnachmittag ist die nächste Gruppe Landfahrer eingetroffen. Merkle befürchtet, dass sich jetzt noch mehr Müll auf dem Gelände ansammeln wird.

Dabei geht es ihm nicht nur um die unmittelbare Nähe des Containers. „Die leeren ihren Kot in die Hecken“, sagt der Anwohner und deutet auf vereinzelte Fetzen Toilettenpapier, die nahe des Containers zwischen den Büschen hervorragen. Wenn er sie auf frischer Tat ertappen konnte, habe er die Verursacher zurecht gewiesen, berichtet der 77-Jährige. In das Wohnwagendorf hinein hat sich Merkle aber noch nicht getraut – aus Sorge, dass die Landfahrer aggressiv reagieren könnten.

Das sagen die Landfahrer


Am Dienstagnachmittag bietet die provisorische Siedlung aus Wohnwägen, Autos und Vorzelten jedoch ein friedliches Bild. Bis auf entfernte Motorengeräusche ist nur Vögelzwitschern zu hören. Zwei Jugendliche treten zwischen den Wohnwägen hervor und schlendern in Richtung Bahngleise. Auf Nachfrage reagieren sie freundlich und in gut verständlichem Deutsch. Ja, der Müll sei ihnen auch schon aufgefallen, erzählen Jaison Carlos und Samuel Gorgon. „Wir waren das aber nicht“, betonen die beiden 16-Jährigen. „Als wir gestern aus Waldshut angereist kamen, sah es hier schon so aus.“

Samuel Gorgon und Jaison Carlos (beide 16) sind Teil der gleichen Großfamilie. Sie machen Zwischenstation im Hegau und planen, bald in die Schweiz weiterzureisen. Bild: Daniel Schottmüller

Die Jugendlichen kennen die Gruppe, die über Ostern in Rielasingen übernachtet hat, wollen aber nicht mit ihren Vorgängern verwechselt werden. „Wir sind nicht so dreckig wie die – wir sind gute Leute.“ Die beiden Cousins schätzen, dass sie noch ein bis zwei Nächte vor Ort verbringen werden. Dann gehe es für sie und ihre Großfamilie weiter in Richtung Schweiz. „Wir bringen unsere Abfälle zur Mülldeponie, wenn wir abreisen“, beteuern sie und erkundigen sich gleich, wo die nächste zu finden sei.

„Das Müllproblem wird gelöst“, zeigt sich auch Günter Rudolph zuversichtlich. Zwei weitere Müllcontainer seien bereits bestellt, berichtet der Ordnungsamt-Leiter am Mittwoch auf Anfrage des SÜDKURIER. „Das Problem ist, dass das Gelände Privateigentum der Schweizer Bahn ist.“ Die Gemeinde sei deshalb gezwungen, Rücksprache mit der SBB zu halten, bevor sie agieren könne. Dass auf dem Hupac-Areal immer wieder Landfahrer anzutreffen sind, ist nichts neues. „Drei bis vier Mal im Jahr haben wir Gruppen hier“, bestätigt Hauptamtsleiter Thomas Niederhammer. Das Prozedere laufe immer ähnlich ab. „Sie bekommen eine Verfügung, in der steht, dass das Kampieren nicht erlaubt ist und eine Frist gesetzt wird, bis wann sie das Gelände zu verlassen haben“, erklärt Niederhamer. Meistens werde diese Frist eingehalten – ab und an auch überzogen.

15 Wohnwägen sind derzeit auf dem ehemaligen Areal der Transportgesellschaft Hupac in Rielasingen geparkt. Der Müllberg war bereits vorher da. Eine andere Gruppe von Landfahrern hat ihn in der vorigen Woche zurückgelassen. Bild: Daniel Schottmüller

Der Hauptamtsleiter geht allerdings davon aus, dass sich die Gesamtsituation auf dem Hupac-Areal bald schon entscheidend verändern wird: „Wir sind dabei, der Schweiz das Gelände abzukaufen." Niederhammer hofft, dass das Geschäft noch in diesem Jahr über die Bühne geht. Wo sich jetzt noch der Müll türmt, ist geplant eine Atemschutz-Teststrecke der Feuerwehr einzurichten (siehe beistehender Text). Damit könnte sicher auch Wolfgang Merkle leben. Fürs Erste wäre ihm aber schon geholfen, wenn die zusätzlichen Müllcontainer bald eintreffen würden.

Die Zukunft des Geländes


Das ehemalige Hupac-Gelände, auf dem derzeit Landfahrer ihre Wohnwägen aufgebaut haben, ist schon länger für die Errichtung einer Atemschutz-Übungsstrecke der Feuerwehr im Gespräch. Bisher kam allerdings kein Kaufvertrag mit dem Grundstückseigentümer, der Schweizer Bahn, zustande. Seit Mitte März steht nach Angaben des Kreisbrandmeisters Carsten Sorg allerdings fest: Die Atemschutz-Übungsstrecke kommt nach Rielasingen-Worblingen. Zur Zeit gibt es keine derartige Einrichtung im Kreis. Noch üben die Atemschutzträger für ihre gefährliche Aufgabe in Schaffhausen. (das)
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen
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