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Gemeindenachricht

Pastoralreferentin Verena Kreutter ist sich sicher: Mit Gott ist ein „Mehr“ da

Südkurier vom 01.10.2018 von Sandra Bossenmaier

Verena Kreuttner ist Pastoralreferentin in der Seelsorgeeinheit Aachtal und sieht den Sinn ihrer Arbeit darin, Menschen zusammenzubringen. Bild: Sandra Bossenmaier

Frau Kreutter, warum haben Sie sich eigentlich für einen Dienst in der katholischen Kirche entschieden?


Da muss ich etwas ausholen. Ich bin christlich sozialisiert aufgewachsen und war schon immer in Kontakt mit der Kirche. Erst im Kinderchor, dann in der Pfarrbücherei, bei der Firmvorbereitung oder beim ökumenischen Taizégebet. Kirche, das hat für mich schon immer dazugehört. Während meiner Schulzeit hat mich das Fach Religion sehr interessiert. Am Gymnasium in Meersburg entstand der Wunsch, Theologie zu studieren. Ich dachte mir, da muss es einfach mehr geben. Für das Studium braucht man die drei alten Sprachen Latein, Altgriechisch und Althebräisch. Diese habe ich auf dem Ambrosianum in Tübingen gelernt. Dort kam ich in den Kontakt mit Priestern, Diakonen, Pastoralreferentinnen, Gemeindereferentinnen und ich habe gemerkt, dass mich das reizt. Dass ich nicht nur die Theorie will, sondern in die Praxis möchte. Ich möchte nicht nur von Gott hören oder sprechen, sondern für Menschen da sein und mit Menschen auf diesem Weg gehen, Wegbegleiter sein für die Menschen und für den Weg, den Gott sich für uns gedacht hat.

Viele Menschen kennen ihren Beruf gar nicht. Was genau macht eine Pastoralreferentin?

Umso schöner, dass es jetzt auch in der Seelsorgeeinheit Aachtal eine Pastoralreferentin gibt. Unsere Arbeitsbereiche richten sich vor allem nach dem, was vor Ort gebraucht wird. Ganz klar sind aber Bereiche wie der Schuldienst, denn wir unterrichten ab Klasse fünf, die Vorbereitung auf die Erstkommunion und/oder auf die Firmung, der Beerdigungsdienst, Gottesdienste, Einzelseelsorge, Jugendarbeit, die Begleitung von Gemeindeteams und Liturgiekreisen, Gremienarbeit, die Arbeit mit Senioren, Taufkatechese, Ökumene… und eben das, was nötig ist. Ganz klar geregelt ist, dass wir als Laien keine Sakramente spenden dürfen.

Was ist das Besondere für Sie an Ihrer Arbeit?

Spontan würde ich sagen, es ist die Vielfalt. Es sind die vielen verschiedenen Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben und die unterschiedlichen Aufgaben. Da bin ich morgens im Schülergottesdienst, danach im Kindergarten, nachmittags mit der Frauengemeinschaft beisammen und abends bei einer Sitzung. Und ja, ich würde auch sagen, dass die Arbeitszeiten besonders sind. Besonders ist sicherlich auch, dass wir noch nicht genau wissen, wo der Weg des Berufes hinführen wird. Wird es unseren Beruf in der Form noch geben, wenn es immer weniger Gläubige geben wird? Ich denke, dass da Vertrauen und Hoffnung eine große Rolle spielen. Ich weiß in meinem Beruf: Ich bin nicht allein. Nicht in den einzelnen Situationen tagtäglich, nicht in der gesamten Entwicklung. Das Besondere ist doch tatsächlich, dass es ein „Mehr“ gibt, dass Gott da ist.

Wie sehen Sie denn heutzutage die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche persönlich?

Wenn es um meinen Beruf geht, dann sage ich immer gerne, dass es nicht nur um Frauen geht, sondern, dass es uns hauptamtliche pastorale Mitarbeiterinnen als Frauen und Männer gibt. Da geht es dann oftmals um die Trennung zwischen uns Laien und den geweihten Diakonen und Priestern. Da würde ich sagen, dass die Rollen hoffentlich so sind, dass es ein Miteinander ist, mit dem wir so gut wie möglich für die Menschen da sein können. Jede und jeder mit seinen und ihren Charismen, die für die Menschen eingesetzt werden können. Ansonsten sehe ich natürlich, dass sich in den Gemeinden besonders viele Frauen engagieren und die Masse im Sonntagsgottesdienst ausmachen. Die Männer sollen aber auf keinen Fall vergessen werden. Dennoch sieht man, dass es mehr Frauen sind, ich würde schon sagen, dass sie Kirche in besonderer Weise mittragen.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft in der Seelsorgeeinheit Aachtal? Was möchten Sie bewirken?

Meine Vision ist immer die Gemeinschaft. Die Zahl der Gläubigen und der Kirchgänger geht zurück, das macht auch vor dem Aachtal nicht halt. Mir liegt es am Herzen, Menschen zueinander zu bringen, deutlich zu machen: Wenn wir gemeinsam sind, dann können wir Schweres gemeinsam tragen, Freudiges miteinander teilen. Und dabei geht es mir nicht nur um den Gottesdienstbesuch. Ich glaube, dass wir Glauben und Leben nicht trennen dürfen, auch wenn Gott nicht immer explizit vorkommen muss, der Glaube muss das Leben durchdringen und so können wir leben. Eine Idee von mir war beispielsweise „Bring your own Vesperbox“, ein ungezwungenes gemeinsames Mittagessen mit anderen. Auch im ökumenischen Hauskreis für junge Erwachsene probieren wir das. Und ich glaube, dass das die Zukunft sein kann, auch wenn wir weniger werden. Füreinander da sein, einander Gutes tun, aus dem Glauben leben und schöpfen. Das wünsche ich mir und uns und ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann.

Fragen: Sandra Bossenmaier
 

Zur Person:


Verena Kreutter (28) wurde in Tettnang geboren und ist in Markdorf aufgewachsen. Nach einem Jahr am Ambrosianum, dem theologisch-propädeutische Seminar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, und einem fünfjährigen Studium der Katholischen Theologie in Freiburg erfolgte eine dreijährige praktische Ausbildung. Zwei Jahre lernte Verena Kreutter im Vorderen Kinzigtal, wie die Arbeit in der Gemeinde dort aussieht. Mit dem dritten Jahr der Ausbildung stand der Wechsel in die Seelsorgeeinheit Aachtal an, wo sie nach ihrer Beauftragung zur Pastoralreferentin im vergangenen Juli auch weiterhin bleiben wird. Das letzte Jahr der Ausbildung zeigte, dass sie den pastoralen Herausforderungen auch ohne die Begleitung eines Mentors gewachsen ist. In ihrer Freizeit liest Verena Kreutter gern, geht ins Theater, liebt das Backen und die Musik.

Redakteur / Urheber
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen