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Gemeindenachricht

Bei Werner Ruf gedeiht das Obst auch ohne Spritzmittel prächtig

Südkurier vom 01.11.2018 von Daniel Schottmüller

Mehr als zufrieden: Eine Apfelernte wie in diesem Jahr hat der 90 Jahre alte Werner Ruf zuletzt in Kindertagen miterlebt. Bild: Tesche, Sabine

Erst gestern hat eine junge Frau bei ihm geklingelt. „Eine Mutter von zwei Kindern“, berichtet der Mann mit dem weißen Vollbart. „Sie wollte nicht, dass die Kleinen gespritztes Obst essen müssen.“ Die Frau hat an der richtigen Klingel geläutet. Denn seit Werner Ruf kurz vor der Jahrtausendwende an den Ortseingang von Rielasingen gezogen ist, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, seine Äpfel auch ohne den Einsatz chemischer Schädlingsbekämpfungsmittel zum Gedeihen zu bringen.

Fünf Minuten von dem weiträumigen Haus entfernt, das der Senior mit seiner Lebensgefährtin Helga Ritter und Riesenschnauzer Vasco bewohnt, liegt das 3000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem er sich dieser Aufgabe widmet. „Ich verwende besondere Züchtungen“, erklärt Werner Ruf. Zum einen ist da der widerstandsfähige Florina. Zum anderen der Topaz – "ein saumäßig saftiger Apfel", wie sich Werner Ruf ausdrückt. „Seitdem ich den Topaz vor 20 Jahren zum ersten Mal probiert habe, ist er bei mir die Nummer Eins“, sagt er und ein keckes Lächeln blitzt unter seinem Bart hervor.

Außergewöhnliche Fitness mit 90 Jahren


Werner Ruf hat gut lachen. Im Gegensatz zu vergangenen Ernten war der Ertrag an seinen fast 600 Bäumen in diesem Jahr so gut wie selten zuvor. „Das letzte Mal, dass ich so etwas gesehen habe, war ich noch ein Bub.“ Das will etwas heißen: Denn auch, wenn sein kräftiger Händedruck und die hellwachen blauen Augen es nicht vermuten lassen: Werner Ruf ist schon 90 Jahre alt.

Mit Obstbäumen beschäftigt sich der aus Blumberg-Nordhalden stammende Mann spätestens seit er als Jugendlicher bei der Baumschule Ammann in Steißlingen eine Ausbildung begann. Anschließend zog es Werner Ruf in die Schweiz, später nach Hessen. Vor sechs Jahrzehnten startete er dort an der Hochschule Geisenheim ein Gartenbau-Studium, das er mit dem Staatsexamen abschloss. Als Student lernte er auch sein vielleicht ungewöhnlichstes botanisches Hilfsmittel kennen. „Ich bin Radiästhet“, sagt Ruf und deutet auf einen dünnen, von einem Klebeband zusammengehaltenen Zweig, der von einem Balken im Wohnzimmer herab baumelt: eine Wünschelrute.

Da staunt der Redakteur: Im Wohnzimmer in Rielasingen demonstriert Werner Ruf dem SÜDKURIER, wie ihm die Wünschelrute im Umgang mit Pflanzen hilft. Bild: Tesche, Sabine

1956 war Ruf Zeuge, wie die Pflanzen der Hochschule auf einem bestimmten Beet trotz aller Bemühungen von Studenten und Dozenten nicht wachsen wollten. Schließlich habe ein Rutengänger festgestellt, dass unterhalb des Beets eine Wasserader verläuft. Als man den Standort der Pflanzen verlagerte, fingen sie wieder zu blühen an. Eine Dynamik, die Ruf in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder beobachten konnte. Mittlerweile nutzt er selbst eine Wünschelrute, um die Strahlung festzustellen, die von unterirdischen Wasseradern ausgeht: "Ich bin mit Leib und Seele Rutengänger", sagt er und liefert direkt eine Demonstration. Mit der Rute in der Hand und einem neugierigen SÜDKURIER-Redakteur im Schlepptau bewegt sich der 90-Jährige auf eine Stelle im Wohnzimmer zu, unter der – seinen Angaben nach – Wasser fließt. Die Rute beginnt sich zu drehen. "Jetzt fassen Sie mal mit beiden Fäusten an der Seite zu." Tatsächlich. Egal, wie fest man zudrückt, lässt sich das Rotieren des Zweigs nicht verhindern, solange Werner Ruf die Rute berührt.

Trotz dieser spektakulären Vorstellung: Mit den Scharlatanen im Fernsehen will der Obstbauer nichts zu tun haben. "Ich kann nur feststellen, wo Wasser fließt", erklärt er. "Wenn ich sehe, dass sogenannte Wünschelrutengänger behaupten, dass sie mit verbundenen Augen einen Eimer Wasser finden – da kann ich nur den Kopf schütteln", betont der Senior. Die räumliche Nähe zu Wasseradern sei auch nicht immer nur schlecht, meint Ruf weiter. "Bestimmte Pflanzen fühlen sich nahe der Wasserader sogar wohl. Katzen übrigens auch."

Hund Vasco als treuer Begleiter


Sein Vasco dagegen scheut die Standorte auf dem eigenen Grundstück, unter denen nach Werner Rufs Berechnung Wasser fließt. Der große Hund mit dem glänzenden schwarzen Fell ist eine ebenso eindrückliche Erscheinung wie sein Besitzer. Manchmal begleitet Vasco Werner Ruf zu den Obstbäumen und leistet ihm Gesellschaft, wenn er mit der Fräse den Boden des Orts bearbeitet, den der Senior sein Ein und Alles nennt. Menschliche Hilfe lehnt der 90-Jährige dagegen ab. Er hat zwar Kinder und Enkel und ist sogar schon Uropa geworden, belasten möchte er seine Verwandtschaft aber nicht. Dafür hat er auch zu viel Spaß am Gartenbau. Im nächsten Jahr plant er, sich neben den Äpfeln verstärkt um die Nüsse, Zwetschgen und Quitten auf seinem Grundstück zu kümmern.

Nicht nur die Arbeit bereitet ihm Freude, sondern auch deren Resultat: Deshalb dürfen Fotografin und Redakteur am Ende des Besuchs vier Säcke Äpfel mitnehmen. Bevor es an die Verabschiedung geht, steht noch eine Kostprobe an. "Nur der Stängel darf übrig bleiben", fordert Werner Ruf. Tatsächlich? Auch die Kerne mitessen? "Klar, der Nukleus ist entscheidend", sagt er und lacht sein ansteckendes Lachen.

Wenn die Rute auf Wasser stößt


Werner Ruf ist bei weitem nicht alleine. Viele sind überzeugt davon, dass besonders feinfühlige Menschen mithilfe einer Wünschelrute Strahlungen wahrnehmen können. Was steckt tatsächlich hinter der Radiästhesie?
Radiästhesie: Das Wort leitet sich vom lateinischen „radius“ (Strahl) und dem griechischen „aisthesis“ (Sinneswahrnehmung) ab. Dabei handelt es sich um die Lehre von der Strahlenwirkungen auf Organismen. Die Untersuchung der Strahlen und deren Auswirkungen geschieht mittels einer Strahlenempfindlichkeit, über die besonders feinfühlige Menschen nach Annahme ihrer Anhänger verfügen. Diese Strahlungen sind allerdings wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
Wünschelrute: Bereits seit dem späten Mittelalter werden Wünschelruten eingesetzt. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen um ein Y-förmig gegabeltes, aus einer Astgabel oder gebogenem Draht gefertigtes Instrument. In der Hand eines Rutengängers soll die Rute auf die Anziehungskräfte oder Ausstrahlungen von Erzen und Metallen, Wasseradern, geologischen Verwerfungen oder verborgenen Gegenständen im Erdreich reagieren. Die Direktorenkonferenz der Geologischen Landesämter der Bundesrepublik Deutschland ist allerdings skeptisch. Schon 1950 veröffentlichte sie einen Beschluss, in dem es heißt, dass die Geologen fast aller Kulturstaaten der Welt den Zusammenhang zwischen Rutenausschlag und Strahlen für unwahrscheinlich halten.
Wasseradern: Unter Radiästheten gelten Wasseradern – wie auch Klüfte und Verwerfungen – als Ursache für Abweichungen im Erdmagnetfeld und für Erdstrahlung und damit als gesundheitsgefährdend. (das)
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen
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