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Gemeindenachricht

Ein Nationalspieler im Narrenschopf: Antonio Rüdiger verbringt einen Abend in Rielasingen

Südkurier vom 04.01.2019 von Daniel Schottmüller

Antonio Rüdiger im Gespräch mit 22 Jugendfußballern, die in Rielasingen ein dreitägiges Trainingslager absolvieren. Bild: Tesche, Sabine

Schlimmer kann der Tag für einen Fußballprofi nicht starten. Am Morgen nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Ligakonkurrent Southampton erhält Antonio Rüdiger die Nachricht, dass er sich um 14 Uhr auf dem Clubgelände des FC Chelsea in London einzufinden hat. Maurizio Sarri streicht seinen Spielern den freien Tag. Stattdessen: Straftraining. Aber, zum Glück für Rüdiger, soll dieser Donnerstag besser enden als er angefangen hat. Knapp acht Stunden später bietet sich dem Kicker das komplette Gegenbild. Statt von einem angesäuerten Coach wird er, 1000 Kilometer von der englischen Hauptstadt entfernt, von 30 begeisterten Jugendlichen mit Applaus empfangen.

"Na, alles klar bei euch?"


Kein Wunder, dass der 25-Jährige den Rielasinger Narrenschopf mit einem breiten Lächeln betritt. Rüdiger lässt seine Jacke über einen Stuhl fallen und begrüßt jeden einzelnen per Handschlag. "Na, alles klar bei euch?"

Es hat etwas Surreales. Während im Nebenraum die Guggenmusik-Gruppe das Lied der Gummibären-Bande probt, macht ein paar Meter weiter ein Weltstar die Runde. Aber was um Himmels Willen hat Antonio Rüdiger im Narrenschopf der Rattlinger verloren? "Ich helfe, wo ich helfen kann", erklärt er dem SÜDKURIER. "Ich bin schließlich Vorbild für die Jungs."

Die Jungs, das sind 22 Nachwuchsspieler, die – wie Rüdiger selbst – bei der von Fritz Fuchs mitbegründeten Agentur FSB (siehe unten) unter Vertrag stehen. Sie sind zwischen 14 und 20 Jahre alt und spielen für Vereine wie Borussia Dortmund, den SC Freiburg oder Eintracht Frankfurt.

In den vergangenen Tagen haben sie auf dem Kunstrasenplatz des 1. FC Rielasingen-Arlen trainiert, zusammen im Narrenschopf gegessen und im Hotel Löwen übernachtet. Ein dreitägiges Trainingslager, das in diesem Moment seinen Höhepunkt findet. Antonio "Toni" Rüdiger – Nationalspieler und FA-Cup-Gewinner 2018 – jener Rüdiger, dem man im Fernsehen dabei zuschaut, wie er sich den besten Stürmern der Welt in den Weg wuchtet, ist gekommen, um den Jugendlichen ihre Fragen zu beantworten.

Erdkunde-Nachhilfe für den Global Player


Zunächst herrscht aber nervöses Schweigen im Narrenschopf. Der 1,91-Meter-Mann nimmt den kleinsten der Kicker am Tischende in den Blick. "Ich hab' gehört, du schießt gerne Tore", meint er in Richtung von Loic Yemele, der in den vergangenen Tagen bei den Großen mittrainieren durfte.

"Wo spielst du denn?" Die Antwort: "Seit ich fünf bin, bin ich bei Rielasingen." Er wohne aber in Singen, beeilt sich der Zehnjährige zu erklären. Rüdigers Reaktion erfreut dann vor allem die Einheimischen im Raum: "Singen? Wo ist das denn?", will der Nationalspieler wissen. Was klingt wie ein Witz ist durchaus ernst gemeint. "So weit im Süden hab' ich in meiner Jugend nie gespielt", erklärt der 25-Jährige.

Loic Yemele (links) erklärt dem Chelsea-Star, wo genau Singen liegt. Bild: Tesche, Sabine

Rüdiger will aber gar nicht so viel von sich erzählen, er interessiert sich für die Jugendlichen. Wie selbstverständlich nimmt er auf einem Tisch zwischen ihnen Platz und stellt jedem einzelnen eine ganze Reihe von Fragen. Hin und wieder klingen sie wie Ratschläge: "Denkst du nicht, dass es Zeit für einen Wechsel wäre?" Als einer der Nachwuchsspieler berichtet, dass er von seinem Verein aufgrund seiner Körpergröße aussortiert worden sei, hat der Fußballprofi aufmunternde Worte parat: "Marco Reuss wurde auch wegen seiner Größe bei Dortmund aussortiert – heute ist er der Kapitän."

"Sie wusste, ich bin nicht ganz normal"

Er selbst habe während seiner Zeit in der BVB-Jugend ebenfalls unter einem bestimmten Trainer zu leiden gehabt. "Er hat gesagt, ich würde es nie schaffen. Jahre später hat er mich nach meinem Trikot gefragt." Auch das möchte Rüdiger den Jugendlichen mitgeben: "Es geht nicht nur um Talent, sondern um Willen." Bei ihm sei dieser Killerinstinkt so stark ausgeprägt, dass seine Mutter ihm früher sogar verboten habe, gegen den eigenen Bruder zu spielen. "Sie hatte Angst. Sie wusste, dass ich auf dem Platz nicht ganz normal bin!"

Der Abwehrrecke nimmt in Rielasingen kein Blatt vor den Mund. Bild: Tesche, Sabine

Inzwischen hat der Stargast Hunger bekommen. Nachdem er für Fotos mit den Talenten posiert hat, entschuldigt sich Rüdiger und bedient sich im Nebenraum am Büffet. Es gibt Reis, Gemüse, Salat und Hähnchen. Der Nationalspieler lässt es sich schmecken. Morgen früh um zehn gehe es für ihn schon wieder von Zürich aus nach London zurück, erzählt er. Um 15 Uhr steht dann das nächste Mannschaftstraining an. Hoffentlich hat Maurizio Sarri bis dahin wieder bessere Laune.

So kam der Besuch zu Stande


Die Bekanntschaft dreier Männer hat die Stippvisite des Fußballprofis in Rielasingen möglich gemacht.

Antonio Rüdiger: Der 29-fache Nationalspieler steht beim FC Chelsea unter Vertrag. Geboren wurde er in Berlin, als Sohn eines deutschen Vaters. Rüdigers Mutter stammt aus Sierra Leone. In seiner Jugend spielte der Verteidiger unter anderem für Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart. In dieser Zeit wurde Ex-Profi und Spielerberater Fritz Fuchs auf Antonio Rüdiger aufmerksam.

Fritz Fuchs: Mit Rüdigers Halbbruder Sahr Senesie und Rechtsanwalt Alexander Bergweiler gründete Fuchs das Unternehmen FSB (Fuchs, Senesie und Bergweiler), das sich seit Rüdigers Wechsel vom VfB zum AS Rom im Jahr 2015 um die Beratung und Betreuung des Spielers kümmert. Inzwischen hat FSB auch andere Profis – unter ihnen Nationalspieler Amin Younes – und rund 40 Jugendspieler unter Vertrag.

Peter Brütsch: Seit Fritz Fuchs als sportlicher Leiter der Spielvereinigung Trier beim Fritz-Guth-Turnier des 1. FC Rielasingen-Arlen zu Gast war, hat er eine freundschaftliche Bande zum Verein und dessem sportlichen Leiter Peter Brütsch geknüpft. Mittlerweile ist Brütsch nebenberuflich für FSB tätig. Bei einem Treffen Anfang Dezember fiel die Entscheidung, ein Trainingslager in Rielasingen auszurichten, bei dem sich der FSB-Nachwuchs untereinander kennenlernt. Antonio Rüdiger sagte direkt sein Kommen zu.
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen
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