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Gemeindenachricht

Gemeinde bringt Hilfs-Netzwerk zu Corona-Krise an den Start

Singener Wochenblatt online vom 18.03.2020 von Oliver Fiedler

Wie alle Spielplätze im Land, sind auch die in der Gemeinde Rielasingen-Worblingen seit Anfang der Woche gesperrt - eine von vielen Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie. swb-Bild: of

Rielasingen-Worblingen. „Für mich ist Krisenmanagement, nicht erst zu warten, bis die entsprechenden Verordnungen kommen, sondern schon im Vorgriff darauf vorbereitet zu sein“, sagte Ralf Baumert bei der Medienkonferenz zu den Maßnahmen in der Gemeinde angesichts der aktuellen Corona-Krise. „Wir wissen, dass wir das Leben der Menschen mit den angeordneten Maßnahmen enorm einschränken, aber wir wollen damit beitragen, die Krise zu entschärfen“, so Baumert. Unter Federführung der Gemeinde soll nun auch schnell ein Hilfsnetzwerk aufgebaut werden, kündigte er an. Stand Mittwoch Morgen gibt es drei an Covid-19 erkrankte Personen in der Gemeinde.

„Wir sind gottfroh, dass es wie schon bei der Flüchtlingshilfe schon viel Rückmeldung aus dem Ehrenamt gibt, so dass die Gemeinde hier ein kommunales Hilfsprojekt starten kann. Dabei wird aber auch auf hauptamtliche Kräfte aus dem Rathaus gesetzt, so aus dem Büro des Bürgermeisters, dem derzeit zur Untätigkeit verurteilten Kulturamt wie aus dem Bauhof. Für einen Lieferservice wolle man die beiden Bürgerbusse nutzen, deren Betrieb zum Schutz der ehrenamtlichen FahrerInnen eingestellt werden musste und man habe den örtlichen Edeka-Markt im Boot, der selbst aus personellen Grünen keinen Lieferservice anbieten kann.

„Wir wollen so bald als möglich startbereit sein“, so Ralf Baumert. Wer als HelferIn mitmachen will, kann sich per Mail bei der Leiterin der DRK-Bereitschaft, Sabrina Schorpp, unter sabrinaschorpp(at)gmx.de melden. Bereits am Samstag soll es eine erste Schulung via Videokonferenz geben, um mögliche Helfer fit zu machen in Sachen Infektionsschutz. Es gehe dabei auch um Themen, wie beispielsweise den Hund Gassi zu führen, wenn deren Besitzer das Haus nicht verlassen sollten oder dürfen, machte Baumert deutlich.

Personen, die das Angebot dieses Netzwerks in Anspruch nehmen möchten, können sich wiederum im Bürgermeisterbüro unter 07731 9321-54 melden. Auch wenn des Büro nicht besetzt wäre, würden Anrufe auf ein Notfall-Handy weitergeleitet so Baumert.

Wir gehen intern davon aus, dass wir diese Situation mindestens bis Ende Mai durchstehen müssen. Deshalb werde auch das Naturbad wenn überhaupt, erst später öffnen, kündigte Baumert in der Medienkonferenz schon mal an.


Gemeinde hat Krisenmodus schon umgesetzt


Entsprechend der Verordnungen habe man in den letzten Tagen sofort nach den Anordnungen den Vereinsbetrieb eingestellt, für das Pflegeheim Besuche generell untersagt, die Spielplätze geschlossen und übers Wochenende auch die Tagespflege im Pflegezentrum St. Verena ausgesetzt. Bei Bestattungen sollen angesichts der Verschärfung der Lage die Trauerhallen geschlossen bleiben und es sollen auch nur noch die nächsten Angehörigen kommen. Bei Trauungen seien nur noch das Brautpaar und die Trauzeugen zugelassen, was aber auf Verständnis stoße. Klar müsse den Brautpaaren wie Trauergesellschaften aber auch sein, dass die Beschränkungen auch für den weiteren Verlauf gelten würden.

Im Rathaus habe man bereits mehrere Mitarbeiter auf Homeoffice umgestellt. Dafür konnte sich die Gemeinde bei den Laptops in der geschlossenen Schule bedienen.

Notbetrieb für Kinder läuft an


Seit Mittwoch sind nun sämtliche Formen der Kindertagespflege untersagt. Davon sind die Tagesmütter vor allem betroffen. In den Notgruppen werde aktuell die Betreuung von rund 12 Kindern gewährleistet. Man habe die Verpflegung für aktuell drei Gruppen dort noch gesichert. Jenny Frankenhauser als Leiterin rechnet hier aber in den nächsten Tagen noch mit einer steigenden Nachfrage von Eltern. In der Ten-Brink-Schule habe es keine Nachfrage zu Betreuung gegeben nur in der Hardberg-Grundschule für drei Kinder. Deren Eltern müssen ja beide in „systemrelevanten“ Berufen arbeiten. Drei Fälle sind derzeit positiv getestet in der Gemeinde, sagte Baumert.


Pflegeheim sichert Betriebsfähigkeit


Wie Gisela Messmer als Leiterin des Pflegeheims sagte, sei man derzeit in einem großen Umstellungsprozess, weil die Tagespflege geschlossen werden musste. Deshalb sei die Nachfrage bei „Essen auf Rädern“ sprunghaft angestiegen, die jetzt auch nur noch mit Einweggeschirr bedient werden könne, um hier eine Infektionsgefahr zu minimieren. Wichtig sei, dieses Angebot auch weiter halten zu können. Besuch werde nur noch im Ausnahmefall zugelassen und sei künftig nicht ohne eine Begleitperson möglich. Zur Kommunikation werden man hier auch auf Videokonferenzen umstellen, sagte sie.

Feuerwehr sichert Einsatzfähigkeit


Wie Feuerwehr-Kommandant Viktor Neumann informierte, habe man mit der Anordnung den Übungsbetrieb eingestellt, auch die Jugendfeuerwehr ist in Zwangspause. Die Bereitschaft sei sichergestellt, da derzeit auch sieben Mitglieder der Feuerwehr im Homeoffice arbeiten, also im Notfall schon im Ort wären. Dagegen habe man die Mitarbeiter der Wasserversorgung, die in der Feuerwehr sind, freigestellt, weil diese in deren Notfallplänen bereit stehen müssten. Heikel ist für den Kommandant, dass wegen der Corona-Krise derzeit auch die Atemschutzstrecken in Schaffhausen wie Friedrichshafen geschlossen wurden. Einige seiner Einsatzkräfte stünden eigentlich zur Fortbildung an, so dass man hier habe Ausnahmen für den Einsatz erteilen müssen. Die Gemeinde Rielasingen-Worblingen ist Teil des Katastrophenschutzplans im Landkreis, ergänzte Bürgermeister Ralf Baumert. Wenn eine Notlage großer Dimension eintreten sollte, wird die Ten-Brink-Sporthalle nebst Schulküche zur Notklinik umgewidmet.
Redakteur / Urheber
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen