Kulturpunkt

Pressespiegel

Das Leiden auf lange Zeit ist schlimm
Gärtnereien in der Region stehen erheblich unter Druck und brauchen eine Perspektive

Singener Wochenblatt online vom 10.02.2021 von Oliver Fiedler

Johanna und Axel Mauch in einem ihrer neuen Gewächshäuser: Normalerweise freut man sich wenn's blüht, hier wird der Zeitdruck spürbar, unter dem die Gartenbetriebe stehen. swb-Bild: ofUnd manche Vorgeschichte ist eben noch länger: Rund 10 Jahre absolvierte das Hilzinger Unternehmen „Mauch Grün erleben“ ein Raumordnungsverfahren für die Umgestaltung, die letzten drei Jahre wurde umgebaut und viel investiert. „Für uns war schon der letzte Lockdown ein harter Schlag durch die lange Grenzschließung“, sagt Axel Mauch. „Wir hatten im Spätsommer unsere Gastronomie fertig gestellt und mit neuem Personal eröffnet und mussten nach sechs Wochen schon wieder schließen“, macht er den Ernst der Lage deutlich. Vollbremsung statt Neustart war angesagt, wenngleich man aus dem letzten Sommer doch ein gutes Plus mitnehmen konnte durch die „Daheimbleiben“-Sonderkonjunktur, wird die Lage nach inzwischen zwei Monaten schließen ziemlich ernst. In dem Gartencenter sind derzeit die Hälfte der Mitarbeiter in Kurzarbeit, mehr geht nicht, weil der Betrieb ja mit lebenden Organismen arbeitet, die versorgt und gepflegt werden müssen.

Derzeit stehen in den Gewächshäusern des Gartencenters rund 200.000 selbst gezogene Frühlingspflanzen von der Primel bis zur Ranunkel, und die wachsen natürlich. „Alle Gärtnereien haben derzeit in ihren Gewächshäusern die Temperatur auf ein Minimum reduziert um das Wachstum zu bremsen, aber lange lässt sich das so nicht nicht mehr durchhalten. Wenn wir nicht bald öffnen können, dann wird diese Ware bald verblühen und nicht mehr verkaufbar sein“, so Axel Mauch.

Dazu kommen Bestellungen, die in diesen Tagen für den Start ins Frühjahr sorgen sollten und die vor vielen Monaten schon geordert werden mussten“, so Mauch. Der Druck ist da, dass müsse die Politik sehen. Sie müsse aber auch sehen, dass Gartencenter wie dieser eigentlich jede Menge Sicherheit bieten könnten. Erhebungen der Besucherzahlen im letzten Jahr hatten ergeben, dass selbst in Zeiten größten Andrangs immer noch rund 90 Quadratmeter Platz pro Kunde zur Verfügung stünden, im Normalbetrieb seien es sogar mindestens 200 Quadratmeter, sagt Axel Mauch.
Das Onlinegeschäft sei symbolisch. „Wir leben vom Erlebniswert unseres Centers der genau dafür geplant wurde, und genau das wollen unsere Kunden. Denn wir leben von der Inspiration, die wir hier durch unsere Mitarbeiter vermitteln.“

Auch in der Gärtnerei Haug in Worblingen stehen derzeit rund 80.000 Frühlingspflanzen, die im Zaum gehalten werden müssen. „Wir haben die Heizung fast die ganze Zeit abgehängt und hoffen, dass die nächsten Tage noch kühl bleibt“, sagt Andreas Haug. „Wenn es jetzt eine warme Phase käme, würden die Pflanzen regelrecht explodieren und wären bald nicht mehr verkaufbar“, mahnt er. Unser Vorteil war, dass wir als kleinerer Betrieb sofort nach dem Lockdown auf Onlinekontakte auch über das WOCHENBLATT gesetzt haben und so immerhin den Betrieb bei 30 Prozent halten konnten, so dass wir aktuell noch mit dem Abbau von Überstunden und Resturlaub durchkommen, sagt der Gärtner in seinem Gewächshaus. „Aber lange geht das auch nicht mehr gut, wenn es nicht bald eine Perspektive gibt, wie das weiter geht“, mahnt er.  Auch die Kunden seien ungeduldig. Das werde spürbar, wenn bestellte Ware abgeholt wird und doch immer wieder der Wunsch ausgesprochen wird, doch mal in die Ausstellung reinschauen zu dürfen.


Positive Prognose


Immerhin: die Prognosen der Verbände sind positiv für 2021. Denn auch in diesem Sommer wird sich der Trend angesichts vermutlich andauernder Reisebeschränkungen fortsetzen, sagt Axel Mauch. Der Garten ist sozusagen die Gegenwelt zu allen Corona-Sorgen geworden. Allerdings: Auf dem Startblock stehen reicht nicht. Denn das Frühjahr bleibt für die Gärtner die wichtigste Saison. Und die hat eigentlich schon begonnen.
Redakteur / Urheber
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Gemeindeverwaltung Rielasingen-Worblingen